Das Hauptseminar “Künstliche Intelligenz und die (digitale) Gesellschaft” setzt sich mit den (informations-)technischen Aspekten aktueller, gesellschaftlicher und politischer Debatten ausseinander, die derzeit stark von Diskussionen rund um sog. Künstliche Intelligenz geprägt werden. Ziel ist es einerseits, einen Überblick über den Einfluss von Technik auf politische und gesellschaftliche Entscheidungen zu gewinnen, und andererseits zu verstehen, welche technischen Grundlagen in den Bereichen jeweils zu kennen sind. Dazu werden auch Prozesse kollektiver demokratischer Entscheidungsfindung in den Blick genommen, und die Rolle von Expert:innen diskutiert.
Studienleistung
Die Studienleistung besteht daraus, unter Anleitung eine Seminarsitzung zu einem der Themen zu gestalten. Das Thema ist unten definiert, und es gibt einige Links als Startpunkte. Innerhalb dieses Rahmens können und müssen Schwerpunkte gesetzt werden.
- Direkt nach Themenvergabe: Einen Überblick über die Referenzen gewinnen, und mögliche Schwerpunkte identifizieren. Es ist dringend erforderlich, sich dafür Zeit zu nehmen. Diese möglichen Schwerpunkte mit dem Dozenten abstimmen. Ggf. muss dann weitere Recherche betrieben werden. Optional: Sprechstunde mit Dozent aufsuchen. Dazu ggf. hier einen Termin buchen.
- Spätestens zwei Wochen vorher: Zoom-Sprechstunde mit Dozent zu inhaltlichen Fragen zu Literatur oder Kontext. Siehe Termine unten.
- Spätestens eine Woche vorher: Konzept zur Sitzung per E-Mail abgeben. Das Konzept beinhaltet
- a) die Gliederung/Struktur,
- b) Aufgaben/Fragestellungen für Gruppenaktivität sowie ggf. erwartete Ergebnisse und
- c) selbst erstellte Beispiele, die das gesagte verdeutlichen und/oder konkretisieren.
- Sitzung halten. Jede Sitzung muss mindestens eine Gruppenaktivität beinhalten, also z. B. eine Aufgabe/Frage die in einer Kleingruppe gelöst/beantwortet wird.
- Direkt im Anschluss: Feedbackgespräch
Ein zweiter Teil der Studienleistung besteht in der Mitarbeit an einer Seminarpräsentation für die DHCon. Die DHCon findet im Mai statt, und dort sollte jede Gruppe ein Poster zu ihrem Thema präsentieren.
Im Seminar sind keine reinen Zuhörer:innen erlaubt. Wer teilnimmt, macht auch eine Studienleistung.
Modulprüfung
Details zur Modulprüfung entnehmen Sie bitte der Unterseite.
Seminarthemen
Die Vergabe der Seminarthemen erfolgt via Ilias nach der ersten Sitzung. Zu jedem Thema findet sich in der Literaturliste (siehe unten) eine Sammlung von 5-6 Referenzen, weitere sollten selbständig gesucht werden. Die folgenden Themen stehen zur Auswahl:
- Auf EU-Ebene wird gerade über die Einführung der sog. Chatkontrolle gerungen. Damit ist gemeint, dass die Anbieter von Kommunikationsdiensten zum Client-seitigen Scannen der Inhalte gezwungen werden, insbesondere um das Teilen von Photos/Videos mit dokumentiertem Kindesmissbrauch zu erschweren. Was genau ist der Vorschlag der hier auf dem Tisch liegt? Welche Probleme ergeben sich daraus? Welche Alternativen gibt es? Wie ist der Vorschlag technisch einzuschätzen, vor dem Hintergrund des aktuellen Forschungsstandes?
- Digitale Gewalt (z.B. gegen Frauen): Frauen (und einige andere Gruppen) sind spezifischen Bedrohungen ausgesetzt. Dazu gehören etwa sog. Rachepornos, Spionage-und Stalking-Apps in Smartphones oder sexistische Bedrohungen/Sprüche/Anmachen in Online-Spielen. Welche Bedrohungen gibt es? Wie kann man sich dagegen schützen? Was ist Stand der Technik und was die Rechtslage? Wie ist die Rechtslage aus technischer Sicht einzuschätzen? Wie verändert das Aufkommen generativer KI den Sachstand?
- Dass Entwicklung und Betrieb großer Sprachmodelle Ressourcen (Strom, Wasser) verbraucht, ist inzwischen weithin bekannt. Bei diesem Thema geht es darum, diesen Ressourcenverbrauch und seine Folgen genauer in den Blick zu nehmen: Was wissen wir eigentlich über den Ressourcenverbrauch? Wie hängen Ressourceneinsatz und Qualität zusammen? Wie soll es weitergehen mit steigendem Stromverbrauch? Trägt KI unter dem Strich zum Klimawandel bei, oder kann KI auch Klimaschutz befördern? Und, umgedreht: Welche Konsequenzen hat eine 2-3°C-Welt eigentlich für den Betrieb von Rechenzentren, KI und unsere digitale Welt?
- Das Thema Kognition und KI befasst sich mit den Auswirkungen von KI auf kognitive Prozesse, wozu auch lernen und lehren gehört. Was macht KI-Nutzung eigentlich mit uns als Individuen? Was wissen wir über die Langzeitfolgen? Welche Strategien gibt es, das a) überhaupt zu erforschen und ggf. b) negative Effekte abzumildern oder zu verhindern?
- In verschiedenen Regionen werden derzeit versuche unternommen, KI gesetzlich zu regulieren. In diesem Thema, Gesetzliche Regulierung von KI, schauen wir uns diese Versuche an, und vergleichen sie. Wir diskutieren zudem, wie realitätsnah die dort formulierten Vorgaben sind, und welche der Herausforderungen durch KI sie tatsächlich angehen.
- Ein direkt von den Trainingsprozessen von KI betroffenes Rechtsgebiet ist das Urheberrecht: Einfach gesprochen billigt das Urheberrecht einer Autorin oder einem Autor eines Textes (oder Musikstückes, oder Filmes, ...) das Recht zu, über die Verwendung dieses Textes (...) zu entscheiden (innerhalb gewisser Grenzen). Firmen, die KI-Modelle trainieren, tun dies auf der Basis einer großen Sammlung von Texten (...), ohne sich um das Urheberrecht zu kümmern (teilweise mutmaßlich, teilweise bestätigt). Am anderen Ende der KI-Pipeline können Modelle Texte im Stil einer gewissen Autorin oder eines gewissen Autors generieren, und verwenden dabei Bruchstücke, Formulierungen oder eben nur "den Stil" einer Person. Im Seminar wollen wir die folgenden Fragen klären: Was genau ist das Urheberrecht eigentlich, wo kommt es her, wie unterscheidet es sich auch in verschiedenen Rechtsregionen? Was wissen wir über den Umgang mit dem Urheberrecht beim Training von KI-Modellen? Wie ist der urheberrechtliche Status von generierten Texten?
- Forschung und Lehre mit KI: Ein Aspekt wissenschaftlicher Tätigkeit ist die Produktion von geschriebenem Text, seien es Bücher, Zeitschriften- oder Konferenzartikel, Dissertationen, Master-, Bachelor- oder Hausarbeiten. Dass sowohl Studierende als auch Dozierende und Forschende Wege nutzen, das Produzieren digitaler Artefakte (Texte, Bilder, ...) zu vereinfachen, sollte also niemanden überraschen. In diesem Thema geht es darum, was das (gerade für die Geisteswissenschaften) bedeutet: Welche praktischen und theoretischen Regeln gibt es? Wie werden sie überwacht/eingehalten? Welche Nutzungsweisen von KI haben welche Auswirkungen?
- Soziale Medien im KI-Zeitalter: Die Existenz und Verbreitung sozialer Medien hat in den letzten 20 Jahren sicher vieles verändert. Bei diesem Thema geht es einerseits darum, soziale Medien als Phänomen zu betrachten, und zu besprechen, was sie ausmacht, wie sie funktionieren, wie sie sich auf uns als Individuen aber auch als Gesellschaft auswirken, um dann zu besprechen, wie sich soziale Medien ihrerseits durch KI verändern (müssen/werden/können).
Agenda
| Datum | Thema/Inhalt | Verantwortliche(r) |
|---|---|---|
| 14.10.2025 | Einführung, Kennenlernen, Organisatorisches (Folien) | Reiter |
| 21.10.2025 | Wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Literatur / Vorträge halten (Folien) | Reiter |
| 28.10.2025 | Crashkurs KI (Folien) | Reiter |
| 04.11.2025 | Crashkurs KI (Folien, unmasker.py, get-bert-features.py, tokenizer.py) | Reiter |
| 11.11.2025 (online) |
Crashkurs KI (Folien, tool-calling.py) | Reiter |
| 18.11.2025 |
Chatkontrolle
|
Mauerer, Suchan, Tran |
| 25.11.2025 |
Entfällt |
|
| 02.12.2025 |
Urheberrecht
|
Hunze, Jackowski |
| 09.12.2025 |
Forschung & Lehre
|
Boxleitner, Schiffers |
| 16.12.2025 |
Gesetzliche Regulierung
|
Kizilay, Rudius |
| 13.01.2026 |
Kognition
|
Göbl, Schäfer |
| 20.01.2026 |
Soziale Medien (Folien) |
Reiter |
| 27.01.2026 |
Ressourcenverbrauch
|
Halft, Strauch, Hennicke |
| 03.02.2026 | Abschlussdiskussion und Feedbackrunde (Folien) | Reiter |